motio informiert sich über erste BIM-Projekte in Deutschland

Als Mitgesellschafter des Think Tanks planen-bauen 4.0 erkundigten wir uns vor wenigen Tagen über die Umsetzung des „Stufenplans Digitales Planen und Bauen“. Es galt auszuloten, wie sich die „Dienstleistung Plotten auf Papier“ in den nächsten Jahren entwickelt. Als motio-Vertreter waren Wilfried Engel und Achim Carius bei Dr.-Ing. Jan Tulke in Berlin, Geschäftsführer der planen-bauen 4.0. Dieser ist auch “Projektleiter BIM 4 INFRA 2020”.

Unser Fazit: Die papierlose Baustelle wird sicherlich nicht über Nacht kommen. Bislang werden lediglich einzelne BIM (Building Information Modeling) -Projekte, wie der Bau des VW-Schulungszentrums in Wolfsburg, Teile des Wiederaufbaus des Berliner Stadtschlosses oder Tunnelbauten im Rahmen der BAB 44 in Hessen, gänzlich digital geplant und realisiert. Diese BIM-Leuchttürme zeigen zwar den Weg in die digitale Planungszukunft, doch in den nächsten zwei bis fünf Jahren wird weiterhin überwiegend auf Papier geplottet. Dr. Tulke weist jedoch darauf hin, dass z.B. zu Beginn der Einführung von CAD-Planung Ende der 1980er Jahre auch eine zögerliche Haltung in weiten Architektenkreisen vorherrschte. Durch Verjüngung der Planer und zügige Optimierung der Software überraschte dann doch die schnelle Ablösung von analogen Zeichnungserstellungen durch das CAD. Dies kann sich sehr wohl binnen kurzer Zeit auch heute wiederholen, wenn die Planung in 3D an Fahrt gewinnt.

Auf Initiative der Hansestadt Hamburg soll jetzt ein Standard für die digitale Bauakte geschaffen werden. Auf europäischer Ebene arbeitet Dr. Tulkes Vorgängerin Dr. Ilka May ebenfalls kräftig mit. Demnächst legt die EU ein Konzeptpapier vor, an dem Dr. May federführend mitwirkte. Ziel ist es, Standard-Insellösungen in Europa zu verhindern. Die deutsche Bundesregierung hat weiterhin die „papierlose Verwaltung“ auf ihrer Agenda. Der IT-Branchenverband BITKOM gilt hier als Treiber im Hintergrund. England und Skandinavien sind da schon weiter. Irgendwann wird sie kommen, die Gesetzesänderung, die die Bauakte in ausschließlich digitaler Form vorschreibt und das Papier als Medium ablöst.

Es wird damit gerechnet, dass nach der Bundestagswahl im Herbst die neue Bundesregierung endlich (!) einen Minister für Digitales berufen wird, der im Kanzleramt angesiedelt werden soll und resortübergreifend agieren kann. Die Digitalisierung der Behörden unter dem Titel „Verwaltung 4.0“ sowie des gesamten Wirtschaftslebens unter „Wirtschaft 4.0” ist unter den großen Parteien unstrittig.

Das motio-Netzwerk ist stolz darauf, dass seine Mitglieder CDS/Riegler in München sowie Optiplan/Wimmer und Reger in Stuttgart in Verbindung mit Irmschler/Frankfurt ein großes Know-How beim Betrieb von virtuellen Bauportalen und Projekträumen besitzen. Hiervon profitieren alle Verbandsmitglieder. Die genannten Unternehmen entsenden im Namen des motio-Netzwerkes eigene mit dem nötigen Know-How ausgestattete Mitarbeiter in die Gremien von planen-bauen 4.0. Als Scouts schauen diese nach Möglichkeiten neuer Dienstleistungen für Planungs- und Baukunden und berichten uns.